Weltfriedenstag in Stralsund am 1. September 2016

1. September: Weltfriedenstag

Ich bin zurück vom 25. Ostseeparlamentariertreffen in Riga.  Die Konferenz war themenreich und erfolgreich. Die Vorschläge, die ich gemacht habe, stießen auf Zustimmung. Doch heute ist wieder Wahlkampf, vor allem Weltfriedenstag in einer Welt, in der es keinen einzigen Tag Weltfrieden gibt. Das bestimmt heute auch mein Programm.

Um acht Uhr habe ich mir in Rostock eine Hebebühne geholt, denn das Friedensbündnis in Stralsund möchte, dass ich dort am Abend mein Banner hochziehe.  Da es ein überparteiliches Fest ist, muss ich das Perteilogo mit Klettverschluss überkleben.  Doch der Spruch: „EU: Tear down the walls!“ passt sehr gut. Die Hebebühne wird aber auch den ganzen Tag mein eigenes Transportmittel sein.

Um halb zehn bin ich zum Friedensfest mit Kitas in Grimmen. Seit vier Jahren machen wir es dort. Die Idee stammte von Ingrid Hoffmann, der das Fest auch mit vielen Ideen, Vorbereitungsarbeit und großartiger Organisation vorbereitet.  Die Fröhlichkeit der Kinder, der Spaß, den sie haben, steckt immer an.  Es ging mit dem Lied über die „Kleine weiße Friedenstaube“ los, dann ließ ein Taubenzüchter seine Vögel zum Jubel der Kinder los.  Musiker sangen viele Lieder über den Frieden, auch „Sag mir, wo die Blumen sind“. Doch die Kinder hatten Vieles andere, waren begeistert auf den Pferden aus dem Tierpark, beim Ballwerfen, dem Schmicken oder doch wieder bei den beiden Musiker, beim Singen und Tanzen.

Ingrid hatte danach auch alle Akteure zum Kuchen und Kaffeetrinken ins Büro eingeladen, doch ich fuhr nach Stralsund, wo mich das katalonische Fernsehen erwartete, die zum Wahlkampf in M-V und zur politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation im Land ein Interview wollte.  Warum sie auf mich gekommen sind, weiß ich nicht.  Das Gespräch dauerte sehr lange.  Ich musste es abbrechen, denn um 15 Uhr redete ich zum Weltfriedenstag am sowjetischen Friedhof und Gedenkmal in Bergen zu Genossen und Friedensfreunden. Da kam aber auch Riga zurück.  Jene Sätze, mit denen ein in Schweden lebender syrischer Flüchtling seine berührende Rede beendet hatte, waren auch mein Schluss: „Verkaufen Sie keine Waffen mehr an Diktatoren, wenn Sie nicht verantwortet sein wollen, dass getötet, gemordet, vertrieben wird.“

Um halb fünf war ich mit der Hebebühne auf dem Palme-Platz vor dem Theater in Stralsund. Es wurde schon getrommelt und die Technik kontrolliert, obwohl das Fest erst in einer Stunde beginnt.  Aber auch ich musste die Rohre für das Banner montieren und dann natürlich die Hebebühne vorbereiten und mit dem Banner hochziehen.  Als es mit der Taube, den Slogans auf Deutsch, Englisch und Arabisch sowie den Fahnen von Ländern, in denen Krieg ist, aus denen Flüchtlinge kommen, die Verantwortung für friedliche Lösungen übernehmen müssen, fotografierten es viele, und die internationale Kindertanzgruppe aus Knieper West ließ sich gemeinsam vor diesem Hintergrund fotografieren. Mich haben solche Reaktionen immer froh gemacht, sie bestätigten mir die Idee des Banners und die Gestaltung durch den Rostocker Professor Glende. Etwa einhundert Menschen kamen zur Kundgebung. Die Veranstalter und ich hätten mehr gewünscht, das Thema und das aufwändige, wunderbare Angebot hätten es auch erfordert.  Aber ich weiß, wie schwer es derzeit ist, Menschen zu mobilisieren. 92 Prozent der Befragten sind für den Frieden. Selbst etwas dafür zu tun, bedeutet es nicht. Dass das Stralsunder Bündnis Jahr für Jahr dabei bleibt, ist umso erforderlicher.