Zum vierten Mal haben der Berliner Fotograf Alexander Schippel und ich Handwerkerinnen und Handwerker aus Mecklenburg-Vorpommern für einen Kalender porträtiert, die alte Traditionen pflegen und erneuern. Nicht wenige von ihnen haben auch einen künstlerischen Anspruch, andere – der Bäcker, der Uhrmacher, der Fleischer beispielsweise, haben ihren Platz auf dem hochkommerzialisierten und industrialisierten Markt eben dadurch behauptet, dass sie die alten Ursprünge, Techniken, Rohstoffe, Materialien ihres Handwerks nicht aufgeben.

Wir haben engagierte Menschen getroffen, spannende Lebens- und Firmengeschichten gehört, Überraschungen erlebt, erfahren, wie spannungsvoll und produktiv das Verhältnis von Altem und Neuem, Kunst und Wirtschaft, Produzent und Kunde sein kann. Es sind Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern geboren und immer hier geblieben sind, andere, die hier den Platz für ihr Handwerk und ihre Kunst gefunden haben. Für Viele von ihnen sind die Bedingungen nicht leicht. Die Konkurrenz der Massenproduzenten und Supermärkte, die schwierige soziale Situation im Land und die Ideologie des „Geiz ist geil“ macht auch ihnen zu schaffen. Manchmal waren es sogar solche Konsequenzen, die es Künstlerinnen und Künstlern, Handwerkerinnen und Handwerkern aus anderen Bundesländern ermöglicht haben, gerade in Mecklenburg-Vorpommern ihre Ansprüche zu verwirklichen: günstige Immobilienpreise, Leerstand in Dörfern. Nicht selten haben sie jedoch auch schnell ihr Zuhause hier gefunden und andere Handwerker und Künstler mit ähnlichen Schwierigkeiten und Vorstellungen, mit denen sie sich zusammengefunden haben. So haben wir auch spüren können, dass Qualität, Tradition, Kultur ihre Chance, Altes eine ganz neue Zukunft haben kann.

Wir haben viel über alte Handwerke gelernt, vor allem aber Menschen kennen gelernt, die wir nicht mehr aus den Augen verlieren und die wir bekannter machen möchten. Mecklenburg-Vorpommern, das wissen wir alle, ist ein Land mit alter und vielfach lebendiger Geschichte, mit vielen historischen und natürlichen Schönheiten. Vor allem sind es die Menschen, die hier leben, die es so faszinierend machen können. Bei ihnen bedanken wir uns für die Zeit und die Offenheit, mit der sie uns begegnet sind.

André Brie
Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern

Hightech-Kutschen

Der Kutschenbauer Wolf-Rüdiger Schmidt ist Mecklenburger von Geburt und Wesen. Dass er Kutschen baut passt dazu. Gelernt  aber hat er Werkzeugmacher im Plastverarbeitungswerk im thüringischen Tambach-Dietharz. Da gab es diese Ausbildung…

Die Zeit läuft ab

Der Uhrmacher Seit 1898 werden in diesem Goldberger Geschäft Uhren verkauft und repariert. Hans-Christian Möllers Vater lernte hier sein Handwerk, kaufte 1952 das Haus und übernahm Laden und Werkstatt. Aber auch vom Großvater, der Schlosser…

Der Ton macht den Krug

Die Keramikerin Direkt an der B 193 von Schwerin nach Neubrandenburg und dennoch einsam liegt der alte Bauernhof mit der Galerie „Das gelbe Haus“, in dem die gebürtige Crivitzerin Ute Dreist ihre Werkstatt und ihren Ofen hat. Auf einem…

Den eigenen Weg finden

Die Tischlerin Natürlich riecht es nach Holz in der Tischlerei der Rothener Scheune. Hobelbänke, eine Abrichte, Bohr-, Schleif- und Hobelmaschinen, eine Fräse stehen im großen Raum, den sich Ulrike Steinhöfel mit einem anderen Tischler…

Ich bin mein eigener Chef

Die Schneiderin Sibylle Kessler lernte ihren Beruf als Herrenmaßschneiderin in den siebziger Jahren. Beim Leistungsvergleich in Schwerin schloss sie mit der Note 1 ab. Bis zur Wende arbeitete sie im VEB Dienstleistung Parchim. Mit dessen Ende…

Mit Speck fängt man Kunden

Der Fleischer Rudi Meyer wurde auf einem Bauernhof am Rande von Lübz geboren. Dort lebt er noch immer. Als ich ihn frage, warum er Fleischer wurde, stutzt er: „Ach, du meine Güte. Das weiß ich gar nicht mehr. Das ist doch schon so lange…

Schlüssel zum Himmel und zur Erde

Die Gärtnermeister Schloen ist ein malerischer Ort mit einer alten Dorfkirche und einer Wassermühle in der hügeligen Landschaft unweit von Waren. Am Rande des Dorfes liegt die ungewöhnliche Gärtnerei von Angelika Kalix und Michael Hoffmann.…

Dreihundert Jahre alte Technologie

Der Stuckateur Der Beruf des Stuckateurs hat sich seit Jahrhunderten praktisch nicht verändert. Andreas Entling könnte dreihundert Jahre alte Bücher über sein Handwerk verwenden. Die Formen allerdings werden heute aus Silikonkautschuk und…

Ein Leben für Bücher

Der Buchbinder, Buchkünstler Am 11. September 2011, morgens halb neun, saß Henry Günther in jener U-Bahn, die vor der Einfahrt in das New Yorker World Trade Center gestoppt wurde. Wie fast alles in seinem Leben, hatte auch diese Fahrt mit…

Altes japanisches Handwerk in Medrow

Die Textilgestalterin Sabine Grundmann kommt aus Leipzig. Dort hat sie Anfang der achtziger Jahre das Buchbinden gelernt. Doch sie wollte mehr, die große Form, die eigene Gestaltung, die Farbe.  „Seit jeher begeistern mich Farben, Licht,…

Hand-Werk

Der Bäcker Bei René Wemhoff gehen noch jedes Brot, jedes Brötchen durch seine Hände oder die seines Gesellen: „Wenn ich das gleiche machte wie die Bäckereien der Supermärkte, hätte ich keine Chance.“ Fünf Bäcker in solchen Märkten…

Schottland zwischen Broock und Alt Tellin

Der Dudelsackbauer Die Straße nach Siedenbüssow führt zunächst an der idyllisch fließenden Tollense entlang, dann am verfallenden Schloss von Broock und der Windmühle in Alt Tellin vorbei. In einem alten Fachwerkhaus lebt und arbeitet…