Altes japanisches Handwerk in Medrow

Die Textilgestalterin

Sabine Grundmann kommt aus Leipzig. Dort hat sie Anfang der achtziger Jahre das Buchbinden gelernt. Doch sie wollte mehr, die große Form, die eigene Gestaltung, die Farbe.  „Seit jeher begeistern mich Farben, Licht, Strukturen und ihre Verwandlung in Texturen und Formen“, schreibt sie auf der Homepage. Sie malte Aquarelle, von der ihr Freunde sagten, sie sähen wie Bildteppiche aus. So etwas wollte sie auf der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle studieren. Doch es klappte nicht sofort. Sie ging nach Dresden, erlernte die Kunst der Paramentik, kirchliche Textilkunst für Messgewänder und Altardecken: „Das war für mich wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Mit der Hochweberei, Bilder zu weben, Faden für Faden, mit viel Fleiß an den besten Tagen zehn Zentimeter, das war ein wunderbares Handwerk, eines, das aus der Zeit fällt.“ Als sie dann 1986 doch nach Giebichenstein kam, hatte sie eine Dozentin, von der sie noch immer schwärmt. Sie lernte gerben, weben, knüpfen, färben, ein ganzes Reservoir verschiedener Techniken. Doch sie begriff auch, dass man in der praktischen Kunst etwas ganz Eigenes finden muss, „etwas, das meins ist“, sagt sie. Das fand sie mit der Gestaltung von Bildern und Skulpturen auf Tierhaut, Pergament, das sie vom Buchbinden kannte, vor allem aber als sie auf die japanische Shibori-Kunst stieß.

1991 war sie fertig mit dem Studium. Es waren die Wendewirren, die sie und ihren Mann, einen Maler, nach Mecklenburg-Vorpommern trieben, die Suche nach einem Ort zum Wohnen und Arbeiten. Nur mit einem Auto voller Sachen kamen sie und ihr Mann in Medrow an: „Dach, Fenster, Wasser, Ofen – das reichte für den Winter. Aber die Menschen hier waren sehr offen, ohne Besitzdenken und schotteten sich nicht ab gegen die Zugezogenen.“

Gern würde Sabine Grundmann wieder weben. Ein Bild, das zwei Jahre braucht,  nichts kann rückgängig gemacht werden. Es reizt sie. Oder sich mehrder Malerei, dem Zeichnen und den großen Arbeiten aus Pergament, Weidenholz, Wolle widmen mit ihren märchenhaften Farben und Formen. „Sie leben wie schwerelos im Raum, mit dem Licht und dessen Wechsel. Mein Herz“, erzählt sie, „ist bei diesen großen Objekten. Es ist schon schade, dass so viele nur an die Mode denken, die ich mache.“ Aber Aufträge dafür sind schwer zu bekommen. In erster Linie lebt sie von der Textilgestaltung und wunderschönen Kleidern, jedes ein Kunstwerk, nicht selten mit der uralten japanischen Shiburo-Kunst, die sie dafür modern und ganz und gar eigenwillig einsetzt – eine Reservierungskunst, bei der der Stoff durch ein ganz enges Nähen die Farbe nicht aufnimmt, ähnlich dem Batiken, doch unendlich mühsamer und individueller. Auch das Auftrennen, bevor sie den Stoff dann verarbeiten kann, dauert wieder tagelang. „Es ist wie bei Egon Olsen. Ich habe immer einen Plan. Aber auch wenn ich erst am Ende das Resultat sehen kann, meine Pläne klappen fast immer.“ 2002 hat sie den Baltic Fashion Award bekommen. Aber sie macht keine Serien: „Ich kann mich nicht verkaufen.“

Sabine Grundmann
Textilgestaltung, Mode, Bildende Kunst
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