Altes und neues Kehren

SCHORNSTEINFEGER

Schon Egon Krulls Vater war Schornsteinfeger. Bereits als er noch in der Schule war, interessierte er sich für diese Arbeit und hatte er auch Kontakt zu den Gesellen seines Vaters. So war es klar, dass auch er diesen Beruf ergreifen wollte, oder, wie er sagt „hängen blieb“. Hängenbleiben ist vielleicht auch ein guter Begriff für einen Schornsteinfeger, denn dreimal in seinem Berufsleben hat er auch den „Abgang“ vom Dach erlebt. In seiner Lehre musste er noch selbst das Besenbinden oder Schornsteinsteigen lernen. Das gehört heute nicht mehr zu den geforderten Prüfungen. Zur Berufsschule musste er, wie alle Lehrlinge damals, in das thüringische Altenburg. Sein Gewerbe hat sich im Laufe der Jahre, insbesondere nach 1990 wesentlich geändert. War es früher vor allem das Kehren von Schornsteinen und Räucherkammern , musste er dann zur Weiterbildung, um die neuen Rechtsgrundlagen und vor allem die Messung von modernen Heizungen kennenzulernen. „Die Bürokratie“, klagt er, „hat sich vervierfacht.“

Der Schornsteinfeger gehört zur Gruppe der Ordnungs- und Sicherheitsberufe. Auch aus diesem Grund hat Egon Krull noch immer kein Verständnis dafür, dass die Schornsteinfegergebiete vor einigen Jahren dem Wettbewerb freigegeben worden sind. Er hat allerdings nur einen einzigen Kunden verloren. Praktisch ist der Beruf auch wegen der verheerenden Stadtbrände im Mittelalter, die meist von Schornsteinbränden ausgelöst wurden, entstanden. Die erste deutsche Vorschrift findet sich im 13. Jahrhundert im „Sachsenspiegel“: „Ein Jeder solle behüten und beschützen seinen Ofen und seine Feuermauer, dass die Funken nicht fahren in des Nachbars Hof und ihm schaden.“ So ist es kein Wunder, dass Schornsteinfeger als Glücksbringer galten, und auch heute oft als solche verehrt werden.

Manchmal vermisst Egon Krull, dass die modernen Heizungen auch den Kontakt und die Gespräche mit seinen Kunden deutlich verringert haben: „Früher wollte mich fast jeder anfassen, um Glück zu haben. Die Leute wollten Kaffee mit mir trinken, fragen und zuhören. Heute hat niemand mehr Zeit. Jeder ist hektisch. “ Ihm selbst ist es wichtig über seinen Beruf und seine Geschichte zu erzählen. Seit aber Ende der neunziger Jahre wieder mehr Menschen, sich einen Kamin bauen lassen, hat auch das Kehren wieder zugenommen. Egon Krull ist froh darüber: „Das Fegen macht mir mehr Spaß.“ Gern hat er Lehrlinge ausgebildet und ist stolz, dass sie alle mit Herz und Seele Schornsteinfeger geworden sind. Es macht ihm aber Sorgen, dass es immer weniger Nachwuchs gibt.

 

Schornsteinfeger
Egon Krull
Schulstraße 8
19395 Plau am See
Tel.: 038735 41250