Der Ton macht den Krug

Die Keramikerin

Direkt an der B 193 von Schwerin nach Neubrandenburg und dennoch einsam liegt der alte Bauernhof mit der Galerie „Das gelbe Haus“, in dem die gebürtige Crivitzerin Ute Dreist ihre Werkstatt und ihren Ofen hat. Auf einem Wandertag hatte die damals Zehnjährige das Drehen auf der Scheibe gesehen und war fasziniert. In Rheinsberg, Potsdam und Dresden erlernte sie ihren Beruf. Seit 1988 hat sie ihren Meisterbrief.

Es sind ursprünglich wirkende Töpfe, Schalen, Teller oder Kannen, die man in der Galerie erwerben oder in der Werkstatt bewundern kann. Nahekommen, ganz nahe – das ist vielleicht ihr künstlerischer Anspruch. So nah wie möglich an den Ton herankommen, vom dem sie einen Vorrat für das ganze Leben hat, den sie mit körperlicher Schwerstarbeit stundenlang schlägt und dann mindestens ein Jahr im Keller liegen lässt, wo er durch Bakterien besser, plastischer wird: „Für leidenschaftliche Dreher wie mich ist das ganz wichtig. Er gehorcht einem besser.“ Ute Dreist möchte, dass man die Weichheit des Tons wiederfindet, obwohl er im Holzbrand besonders große Härte annimmt. Ihre Formen sind schlicht, reduziert auf die Schönheit ihrer Nützlichkeit. Die fertigen Produkte leugnen nicht den Holzbrand und seine Verunreinigungen durch Ausbrennungen des Holzes oder des Feldspats, die Überraschungen, die er auch für sie immer noch hervorbringt. Und der Salzbrand, eine siebenhundert Jahre alte deutsche Erfindung, wie sie weiß, bringt eine raue und immer wieder andere Glasur hervor, die zu alten Wurzeln dieses Handwerks zurückführt und den Ton, das Holz, das Feuer und die Spuren ihrer Hände im Material bewahrt.

Ute Dreist ist immer auf der Suche nach den Formen, die ganz und gar die ihren sind: „Ich versuche nicht zu reproduzieren, das geht in einem solchen Ofen auch gar nicht. Das Feuer nimmt einem einfach viel aus der Hand. Ich finde, dass meine Sachen ganz langsam immer besser werden, langsamer als ich es mir wünsche. Aber ich bin glücklich darüber. Ich habe unnötigen Ballast abgeworfen, bin so einfach wie möglich geworden. Darum dreht es sich für mich.“

Vier Raummeter Holz benötigt sie für einen Brand. Sechs Mal im Jahr brennt sie. Zweiundzwanzig Stunden dauert es, bis der Ofen die nötigen 1350 Grad hat. Dann wird er zugemauert und kühlt fünf Tage lag ab. Im Sommer halten täglich drei oder vier Autofahrer an, die neugierig geworden sind auf die Werkstatt und die Galerie durch den Hinweis an der Straße. Mehr Kunden erreicht sie durch ihre Werbekarten und –Prospekte und das Internet. Aber ein Dutzend Mal im Jahr ist sie auch auf Künstlermärkten. Und seit fünf Jahren wird sie zu zum Teeschalenfestival nach Korea eingeladen. Dort sind gute Keramiker hoch geachtet von der Gesellschaft. Die Traditionen und die Kultur sind eine ganz andere, aber Ute Dreists Arbeiten werden sehr geschätzt.

Ute Dreist
Galerie Das gelbe Haus
Crivitzer Chaussee 45
19399 Techentin
Tel.: 038736 42566
info@abgelegen.de
www.abgelegen.de