Die Bronzezeit in Mecklenburg

KUNSTGIESSER

Die Verwendung von Bronze für Geräte, Waffen und Schmuck hat in Europa und Asien vor mehr als viertausend Jahren begonnen und gab einer ganzen Epoche seinen Namen. Getriebene und gegossene Plastiken gehörten fast von Anfang an dazu. Die hohen Dehnungswerte, Verschleißfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit von Bronze trugen dazu bei, dass uns einzigartige Kunstwerke aus vielen Kulturen über Jahrtausende erhalten blieben, und Bildhauer und andere Künstler, aber auch ihre Auftraggeber, immer wieder besonders gern auf dieses Material zurückgriffen. So gehört das Bronzekunstgießen zu den zweifellos ältesten Metallhandwerken überhaupt. In das wenig wohlhabende Mecklenburg-Vorpommern kam es, wie mir Karsten Lachmann erzählte, jedoch erst sehr spät und natürlich aus dem südlicheren Deutschland Ende der siebziger Jahre mit einem Leipziger, der in Rostock eine solche Gießerei eröffnete. Die vielen Künstlerinnen und Künstler, darunter nicht wenige Bildhauer, die in DDR-Zeiten sich in Mecklenburg und Vorpommern ansiedelten, werden wohl ein guter Grund gewesen sein, ihnen zu folgen.

Karsten Lachmann hatte anderes gelernt. Er war Maschinenschlosser im Rostocker Schiffsdieselmotorenwerk. Er ist Mecklenburger seit eh und je, und die große Ruhe, die er geradezu ausstrahlt, soll ohnehin für die Mecklenburger typisch sein. Kunst aber hatte ihn immer interessiert und die Gestaltung eigener Arbeiten ihm Spaß gemacht. Als der Kunstgießer Mitarbeiter suchte, griff er 1987 zu. Nach der Wende machte er sich mit einem Kollegen selbstständig. Doch das ging bald schief. Aber er selbst fand ein verwahrlostes Grundstück unweit von Rostock, nahm einen Kredit von 100.000 D-Mark auf und baute seine eigene Werkstatt in einem Nebengebäude aus: „Ich benötigte Mut, aber auch eine gewisse Blauäugigkeit.“ Es wird für ihn auch schwierig gewesen sein, die berufliche Arbeit und die Wiederherstellung dieses Grundstücks unter einen Hut zu bringen. Doch er hat es geschafft, und mit seinem Sohn ist er gegenwärtig dabei, eine neue Werkstatt zu errichten. Die alte ist zu klein und beim Schleifen, Gießen und Patinieren der Güsse mit Säure auch gesundheitlich problematisch. Erlernen kann man dieses Handwerk in Mecklenburg nicht, es sei denn durch learning by doing. „Es gibt sowieso viel Geheimnistuerei bei den Kunstgießern“, meint Karsten Lachmann. Ich habe mir viel von ihm berichten lassen und zumindest begriffen, wie langwierig, vielfältig, auch kostenaufwendig der lange Weg von der Gipsform des Künstlers, über die Zerlegung der Statue durch den Gießer, die Verwendung von Wachs und Silikon, die komplizierten geschweißten Halterungen, Gieß- und Luftlöcher bis zur Zusammenführung der fertigen Bronzestatue ist. Mir scheint, dass es eine eigne Kunst ist. Karsten Lachmann jedenfalls beherrscht sie. Es gibt viele Bildhauer, nicht nur der Rostocker und inzwischen in Hamburg lebende Thomas Jastram, oder auch Menschen, die neben ihrem eigenen Beruf bildhauerisch tätig sind, wie ein Arzt von Rügen, die bei ihm gießen lassen.

 

Karsten Lachmann
Bronzebildgießerei
Am Glasbusch 6-7
18059 Buchholz b. Rostock
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