Die Zeit läuft ab

Der Uhrmacher

Seit 1898 werden in diesem Goldberger Geschäft Uhren verkauft und repariert. Hans-Christian Möllers Vater lernte hier sein Handwerk, kaufte 1952 das Haus und übernahm Laden und Werkstatt. Aber auch vom Großvater, der Schlosser war, ist eine Standuhr erhalten, die heute gleich neben der Tür steht und als einzige Uhr im Laden unverkäuflich ist. So war es praktisch unvermeidlich, dass Hans-Christian Möller schon als Kind mit Uhren spielte und sich später dachte: „Dann machen wir das mal weiter.“ Er lernte beim Vater und auf der Uhrmacherschule in Halle-Landsberg und machte 1976 seinen Meister, nachdem er einige Schwierigkeiten überwinden musste, weil er weder in der Pionierorganisation gewesen war noch die Jugendweihe mitgemacht hatte. „So war das“, sagt er, „aber ich habe es geschafft.“

In der Werkstatt stehen die alten feinmechanischen Maschinen, eine kleine Drehbank noch vom Vater, die Schleif-, Gravur- und Einpressmaschine und eine fast einhundert Jahre alte Goldwaage. Auf den Tischen liegen die filigranen Werkzeuge und das Hörrohr des Uhrmachers, mit dem er dem Gang der Uhr lauschen kann. Doch für viele hat er heute kaum noch Verwendung. „Das Uhrmacherhandwerk ist ein aussterbender Beruf“, meint Möller. „Die billigen Quarzuhren haben unseren Beruf kaputt gemacht.“ Es ist folgerichtig, dass er es ablehnt, selbst eine solche Uhr zu tragen. Das Wechseln der Batterien ist das den Meister unbefriedigende Hauptgeschäft geworden. Als vor einigen Jahren das Goldberger Rathaus restauriert wurde, hat man auch die alte Rathausuhr von ihrem mechanischen Gang- und Schlagwerk mit den zwei Feldsteinen befreit. Er hätte sie gern wie sein Vater weiter betreut. Dass das elektrische Aufzugswerk bereits versagt hat, findet er nicht überraschend: „Altes und Neues darf nicht vermischt, Geschichte und Tradition nicht ungestraft entsorgt werden:“ In vielen kleineren Städten gibt es bereits keinen Uhrmacher mehr. Hans-Joachim Möller weiß von ganzen zwei Lehrlingen, die gegenwärtig in Mecklenburg-Vorpommern den Beruf erlernen. Wenn er einmal aufhören wird, in zehn, fünfzehn Jahren, sagt er, wird auch eine weit über einhundertjährige Tradition in Goldberg erlöschen.

Aufgeben aber kennt er nicht. Im Gegenteil, er stemmt sich dagegen. Auf Flohmärkten kauft er alte Einzelteile und mechanische Uhren auf, repariert und restauriert und verkauft sie – in der Region, aber auch in andere Bundesländer. „Diese Uhren darf man doch nicht wegschmeißen. Die muss man erhalten.“ Für ihn ist es immer noch und immer wieder eine persönliche Freude, mechanische Uhren unter den Fingern zu haben. Dafür ist Hans-Joachim Möller eine gute Adresse.

Uhrmachermeister
Hans-Joachim Möller
Lange Straße
19399 Goldberg
Tel.: 038736 40871