Dreihundert Jahre alte Technologie

Der Stuckateur

Der Beruf des Stuckateurs hat sich seit Jahrhunderten praktisch nicht verändert. Andreas Entling könnte dreihundert Jahre alte Bücher über sein Handwerk verwenden. Die Formen allerdings werden heute aus Silikonkautschuk und nicht mehr mit Knochenleim gefertigt, und eine sehr gute Kamera hilft ungemein, alte Fassadenelemente, Profile, Figuren oder Säulen auszumessen. Andreas Entling ist bescheiden, ein zurückhaltender Mensch, aber wenn er von seinem Beruf erzählt, ist davon nichts zu merken. Das Firmengebäude in einem Gewerbegebiet am Schweriner Stadtrand ist modern und großzügig. Den Platz braucht er vor allem für die Formen und Muster, die er immer wieder gebrauchen kann. Sie werden an den Gebäuden, die er restauriert, abgenommen, tauchen aber nicht selten auch anderswo wieder auf.

„Ich bin durch meinen Zeichenlehrer dazu gekommen. Ich interessierte mich für das Modellieren. Künstlerische Begabung ist durchaus notwendig. Im Zeichenzirkel hieß es: Werde doch Stuckateur. So fragte ich nach, wo eine solche Ausbildung möglich sei und landete beim VEB Denkmalpflege Schwerin.“ Nach einem Arbeitsunfall war er nicht mehr in der Lage, vollständig in dem Beruf zu arbeiten. Er studierte in Wismar, machte sein Diplom als Bauingenieur und wurde Gewerbeleiter der Abteilung Stuckateure. 1990, „als keiner mehr wusste, was mit dem Betrieb passieren wird, alles in Auflösung begriffen war“, ging Andreas Entling den „Schritt nach vorn.“ Er löste den Bereich heraus und wurde selbstständig. In der Hälfte eines alten Bauerhauses startete er mit den Mitarbeitern der Abteilung sein Unternehmen. Da er nur Gips und Formen benötigte, brauchte er viel Mut, aber relativ wenig Startkapital. Sofern die Kollegen von damals nicht inzwischen in Rente gegangen sind, sind immer noch dabei und erinnern sich gern an die Anfangszeit, als im Winter morgens erst einmal der Ofen angeheizt werden musste und nicht einmal ein Telefon vorhanden war. Schon 1993 aber konnte das heutige Gelände bezogen werden.

Das Unternehmen hat Aufträge in Mecklenburg-Vorpommern, am Schloss und an alten Bürgerhäusern natürlich, in anderen Bundesländern und in westeuropäischen Staaten. Darüber macht sich Andreas Entling auch für die Zukunft keine Sorgen. Er selbst hat sich auch fachspezifisch zum Restaurator im Stuckhandwerk weitergebildet. Schwierig, ja, sagt er, katastrophal ist allerdings die Ausbildungssituation. Praktisch alle seine Mitarbeiter haben noch in der Denkmalpflege Schwerin gelernt. Es gehören viel Geschick, Ausdauer und Fertigkeit dazu, Formen anzufertigen, die großen Profile mit der Hand zu ziehen oder den Stuckmarmor zu pigmentieren und so zu schleifen, dass ihn der Laie kaum vom echten Marmor unterscheiden kann. Mit der gegenwärtigen betriebsfernen Ausbildung hat er äußerst schlechte Erfahrungen gemacht. Das ist seine größte Sorge für die Perspektive seines gut gehenden Unternehmens.

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