Furchen ziehen, Spuren lassen

GRAVEURMEISTERIN

Dass ich in Mecklenburg-Vorpommern Unternehmen finden würde, die mit leicht programmierbaren Maschinen die üblichen Schilder, Pokale oder Medaillen ebenso kostengünstig wie banal zur Verfügung stellen können, war mir durchaus bewusst. Doch eine beruflich ausgebildete und zur Meisterin qualifizierte Graveurin, die das sehr differenzierte Handwerk und ihre Berührung mit der Kunst beherrscht, überraschte mich. Carola Frericks, die die Liebe zu Mecklenburg-Vorpommern nach Schwerin gebracht hat, erlernte ihren Beruf in ihrer Heimatstadt Magdeburg, der damals nördlichsten Stadt für eine solche Lehre. Auch heute gibt es nur wenige Ausbildungsplätze im südlichen Deutschland, und sie erlebt auch bei ihren Kunden, vor allem bei den Gold- und Silberschmieden oder Uhrmachern, dass der Graveurberuf und die Nachfrage dort stärker als im Norden vertreten sind.

Carola Frericks ist eine heitere Frau und lächelt mit ihrem offenen Gesicht sehr gern, obwohl sie in ihrer beruflichen Entwicklung und als sie sich in Schwerin 2006 selbstständig machte, nicht wenige Probleme im Beruf und wirtschaftlich erlebte. Bei der Arbeit, erst recht wenn sie kleine Gegenstände nicht einspannen kann, sondern in die eine Hand nehmen und mit der anderen kunstvoll verzieren, Zeichnungen oder Schriftformen gravieren muss, benötigt sie jene große Konzentration, die sie oft genug auch unternehmerisch brauchte. Ihre beruflichen Hoffnungen nach 1990 wurden enttäuscht. Jahrelang arbeitete sie in Werbeagenturen. Ihr zeichnerisches Verständnis half ihr, doch die Arbeit am Computer, an Prospekten oder an der Beschriftung von Straßenbahnen befriedigte sie nicht. Die Sehnsucht nach ihrem erlernten Beruf blieb. So nahm sie in Schwerin ihren Mut zusammen und einen Kredit auf, gründete ihre Manufaktur in einer Stadt, in der es schon zwanzig Jahre keinen richtigen Graveur mehr gegeben hatte. Am Anfang fuhr sie mit einer Mappe ihrer Arbeiten zu möglichen Kunden und putzte Klinken. Letzten Endes fand sie Auftraggeber auf Messen und Ausstellungen, vor allem aber da ihre Kunden zufrieden waren und sie bekannt machten: „Wenn einer mit mir arbeitet, dann auch immer wieder. Es ist fast wie eine Ehe, zumal es oft auch um wertvolle künstlerische oder geschichtliche Dinge geht.“

Fasziniert von der Tradition ihrer Arbeit ist sie besonders, wenn sie an alten Trompeten, Taufschalen oder Tafelsilber auf die Gravuren früherer Meister stößt und ihre eigene Handschrift hinzugeben darf. Das Gravieren, bedeutete ursprünglich im Französischen „eine Furche ziehen“, war gleichbedeutend mit „graver“, aus dem auch das Mittelhochdeutsche „graven“, graben“ entstammt. Wie schön, dass mit Carola Frericks in einem Bundesland, dass so sehr von Ackerfurchen und Graben geprägt war und ist, eine Graveurin ihre „Furchen“ auf Ringen, Uhren, Taufpokalen, Hausschildern oder einem Patengeschenk sticht und graviert.

 

Carola Frericks
Graveurmeisterin
Gravur-Manufaktur
Münzstraße 22b
19055 Schwerin
Tel. + Fax: 0385 3968966
kontakt@gravur-manufaktur.de
www.gravur-manufaktur.de

 

(x1) entfernt, da es damals ein anderer Mann war J

(x2) gestrichen, weil nicht richtig