Hightech-Kutschen

Der Kutschenbauer

Wolf-Rüdiger Schmidt ist Mecklenburger von Geburt und Wesen. Dass er Kutschen baut passt dazu. Gelernt  aber hat er Werkzeugmacher im Plastverarbeitungswerk im thüringischen Tambach-Dietharz. Da gab es diese Ausbildung im nahen Schwerin noch nicht. Schmidt ist 63 Jahre alt, ein Mann, der mit Freude von seiner Arbeit erzählt, sie vor allem mit ungebrochener Freude macht. 1982 wurde er selbstständig und bekam die Gewerbegenehmigung für die Herstellung von Metallteilen für den Pferdesport. Es war, das hat er nicht vergessen, „ein richtiger Kampf“. Doch Wolf-Rüdiger Schmidt hatte seine Lobby bei den Pferdesportlern. In vielen landwirtschaftlichen Betrieben der DDR wurde der Pferdesport damals gern gefördert, zumal sie Gewinne an den Staat hätten abführen müssen und auch daher ihr Geld lieber in die Kinderarbeit, den Sport und die Kultur steckten. Dass die DDR Importe ablösen wollte, kam ihm ebenfalls zugute. Schmidt produzierte alles. Er baute Kutschen, fertigte Steigbügel und Renntrensen, und war von der Ostseeküste bis nach Sachsen gefragt: er war der einzige in der DDR. In zwei Garagen fing er an, musste sich jedoch schnell nach größeren Möglichkeiten umsehen. Im Nachbarort fand er das kleine, verfallene Gutshaus, das er restaurierte und in dem er auch heute noch wohnt und in den angebauten Hallen produziert.

Mit der Wende veränderte sich die Situation grundlegend: „Ich kannte die alten Spielregeln und wie man das Geschäft führt, auch die verworrenen Wege, wie man zu Material kommt, und Kunden hatte ich eh von allein. Jetzt war alles neu und der Markt wurde mit billigen Produkten aus Asien überschüttet.“ Doch Wolf-Rüdiger Schmidt konnte und wollte nicht in den alten Beruf zurück: „Und wenn du so lange selbstständig warst, möchtest du auch weitermachen. Ich habe überlegt, was ich kann, und was ich besser als andere kann.“ Daraus entstand die Kutschenmanufaktur. Baute er zunächst noch alles selbst, historische und Sportkutschen oder Kremser, so hat er inzwischen einen kompetenten polnischen Partner gefunden, mit dem er „auf einer Wellenlänge“ liegt.

Die Manufaktur ist die Entwicklungswerkstatt der Kutschen-Marke ECC, baut die Prototypen, repariert und wartet Kutschen. Unter ihnen sind wahre Hightech-Rennsportkutschen, gefahren vom deutschen Meister und Vizeweltmeister 2011. Schmidt ist selbst erfolgreicher Fahrer und ein Tüftler. Eines seiner Patente für ein Londenverschiebungssystem, ein Lenksystem, hat sich international durchgesetzt. Für ihn ist es die besondere Herausforderung seiner Arbeit, an den Schnittstellen zwischen Mensch, Tier und moderner Technik neue Lösungen zu finden. Sein jüngstes Patent für eine Neigetechnik vor allem für Hochleistungssportkutschen hat es noch schwer. Schmidt meint: „Ich bin ein guter Konstrukteur, aber vielleicht kein guter Marktschreier.“ Doch längst brütet er gemeinsam mit seinem Sohn Roland daran, beide Patente und Technologien miteinander zu verknüpfen.

Wolf-Rüdiger Schmidt
Mecklenburgische Kutschenmanufaktur
Schweriner Straße 68
19075 Pampow-Hof
Tel.: 03865 553
schmidt-kutschen@gmx.de
www.schmidt-kutschen.de