André Brie

Nach schwerem Unfall: Brie zurück im Landtag

Interview mit André Brie im Nordkurier

In dieser Woche findet die letzte Landtagssitzung vor der Sommerpause statt – und der Links-Abgeordnete André Brie meldet sich auf der politischen Bühne zurück. 13 Wochen nach seinem schweren Unfall. Bert Schüttpelz sprach mit ihm.

Herr Brie, Sie hatten einen schweren Unfall mit Schädelbasisbruch und Rippenbrüchen, sind Sie gesundheitlich schon wieder so fit, dass Sie in Politik eingreifen können?

Der mich behandelnde Arzt in der Reha-Klinik Plau am See hat mir erlaubt, dass ich wieder joggen darf. Es ist mir gut bekommen. Arbeiten muss ich dagegen noch an meiner Sprache. Die schöne deutsche Sprache hat es noch schwer mit mir.

Sie erhielten während Ihres Krankenhausaufenthaltes Genesungswünsche von Spitzenpolitikern aller demokratischen Parteien. Offenkundig ist Ihre Meinung als Vordenker der Linken nach wie vor gefragt.

Ja, es hat mich sehr berührt, dass sich neben meiner Frau, meiner ganzen Familie und meinen Freunden auch viele andere Menschen um mich gekümmert haben. Mecklenburg-Vorpommern hat exzellentes medizinisches Personal, Ärzte, Schwestern, Therapeuten. Denen im Klinikum in Plau am See bin ich zutiefst dankbar, sie haben mich an Körper und Seele wieder gesund gemacht. Ich habe aber auch sehr viel Besuch gehabt und Post bekommen, die ich jetzt begonnen habe, zu beantworten. So etwas baut auf und macht Mut – mir persönlich, aber auch hinsichtlich des Zustands der Gesellschaft.

Erwachsen aus dem Erleben von medizinischer Versorgung und Nachsorge auch neue Politikansätze?

Das Gute an diesen vergangenen dreieinhalb Monaten ist die Zuwendung von Menschen, die ich auf so vielfältige Weise zu spüren bekommen habe. Hier ist jeder Mensch gleich wichtig. Diese Nähe zum Alltag der Leute, zu ihren Sorgen und zu ihrem Glück, das ist mehr als je zuvor mein Maßstab für jedwede künftige politische Arbeit.

Postuliert die Linke das nicht ohnehin?

Die Menschen erwarten von der Politik, dass sie sich nicht mit sich selbst beschäftigt. Ein Streit um mehr parlamentarische oder außerparlamentarische Arbeit beispielsweise ist müßig, die Leute wollen Antworten auf die Fragen, die sie tagtäglich beschäftigen, wollen Lösungen und Ziele, die ihr eigenes Leben lebenswerter machen. Da muss linke Politik viel konkreter werden.

Glauben Sie tatsächlich, dass solch eine Politik mit Ihrer Partei zu machen ist?

Die vergangenen Monate haben doch ein ganz anders Bild vermittelt. Es war für mich erstaunlich, wie viele Menschen sich im Krankenhaus für Politik interessieren, ob Ärzte, Schwestern, Patienten oder Besucher: Ich bin in den vergangenen Wochen intensiv befragt worden. Von der Linken nahm ich fast ausschließlich Personalquerelen und Streit wahr – das demotiviert nicht nur mich, sondern hinterlässt spürbare Enttäuschungen bei den Leuten. Sie erwarten gerade von meiner Partei, dass sie statt sich selbst den Alltag der Menschen wichtig nimmt und dass ihr Politikansatz genau das zum Grundsatz erhebt.

 

aus: www.nordkurier.de