Über den Naturparkranger Alexander Harter

Zumindest an diesem Tag ist Dr. Alexander Harter so gekleidet, dass man ihn nicht nach seiner Tätigkeit fragen müsste. Der Hut auf dem Kopf unterstreicht noch das Aussehen eines Naturparkrangers. Das Logo an seiner Jacke ist eigentlich überflüssig. Harter ist Geschäftsführer der Lausitzer Seenland gGmbH, eines großen Naturschutzprojektes auf rekultivierten Tagebauflächen. Von Beruf ist er Landschaftsplaner, Renaturierungsökologe, promoviert hat er über die Verwässerung von Niedermooren.

Für Ökogärten und Amphibien interessierte er sich schon als Teenager in der Pfalz. Er arbeitete ehrenamtlich im Vereinsnaturschutz, gewann Bürgermeister, Landwirte und Jäger für dessen Belange. Nach seinem Studium ging er nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und kümmerte sich um die Renaturierung von Mooren, bevor er in die sächsische Lausitz kam. Harter ist mit einer Slowakin verheiratet. Auch das mag ihm sorbische Kultur schneller und näher gebracht haben als anderen Zugereisten. Doch ohnehin fühlt er sich hier längst zu Hause. In der Nähe von Lohsa hat er sich ein altes Forsthaus gekauft. Weg will er nicht.

Dass es in den Bergbaugebieten der Lausitz nicht um die Pflege und Erneuerung alter Kulturlandschaften, sondern um die Gestaltung völlig neuer Landschaften und Naturschutzgebiete geht, ist für ihn kein großer Unterschied: „Hier ist sogar sehr viel mehr für den Naturschutz möglich. Die meisten Flächen sind nicht im Privateigentum, und wenn sie verkauft werden, gibt es Naturschutzauflagen. Wir können richtig loslegen. Schwierig ist es, wenn Umplanungen erforderlich sind. Dann werden formaljuristische Hindernisse zu Gebirgen, und oft ist auch der Wegebau auf den verkauften Grundstücken kompliziert. Dabei wäre er für die Besucherlenkung im Schutzgebiet so wichtig. Bis zur Rutschung am Bergener See vor einem Jahr war es sogar eine sehr komfortable Situation. Dadurch sind große Flächen gegenwärtig aus Sicherheitsgründen gesperrt und nicht nutzbar.“ Drei oder sogar fünf Jahre wird es dauern, bis dieses Problem gelöst ist.

5800 Hektar soll das sächsische Naturschutzgebiet auf ehemaligen Tagebauen umfassen, aber nicht alle Flächen sind bisher geklärt. Die Seenland gGmbH forstet selbst nicht auf. Das ist Aufgabe der LMBV. Aber die Natur erobert sich vor allem in den unter Naturschutz gestellten Gebieten das Land auch allein zurück. Für Birken, Robinien und Kiefern sind die nährstoffarmen Böden ohnehin gut geeignet. Sukzessionswald, nennen die Fachleute diese Selbstansiedlung. An einigen Stellen müssen sie sogar aufgehalten werden, um die Bedingungen für die Artenvielfalt zu bewahren. Eichen, Buchen oder Eschen müssen gepflanzt, gepflegt und gegen das Überwachsen durch Kiefern geschützt werden. Im Übergang zwischen Offenland und Wäldern gibt es die höchste Zahl unterschiedlicher Vogelarten. Viele sind längst heimisch geworden, die seltenen Brachpieper, Raubwürger und Neuntöter darunter. Auf keinen Fall werden Tierarten vom Menschen in diesem gebiet angesiedelt. Die Rebhühner sind gar die größte Population in Sachsen. Mehr als 50 Hektar des Naturschutzgebietes werden als Waldweide genutzt, eine ideale Voraussetzung für sie. Harter lobt die Zusammenarbeit mit den meisten Landwirten und Waldbesitzern.

Eine Tierart war in den Planungen ausdrücklich erwartet worden. Als die Wölfe aber tatsächlich kamen, gab es in der Öffentlichkeit und bei Tierhaltern große Unruhe. Zweimal wurden Schafe gerissen, doch inzwischen gebe es eine friedliche Koexistenz und genügend Möglichkeiten, die Wölfe von den Zuchttieren fernzuhalten.

Für die Brandenburg und sächsische Lausitz ist der Tourismus wichtig, für den Naturschützer ist sie nicht die zentrale Aufgabe. Ohne die Menschen in der Region und die Besucher, das weiß Alexander Harter, geht es jedoch nicht. Der Wegebau auf privaten Grundstücken. 13 Naturführerinnen und Naturführer sind ausgebildet und zertifiziert worden von der Landesumweltstiftung. In der Anfangszeit kamen recht viele Studierende, aber das ist ein wenig eingeschlafen. Gut, meint Alexander Harter, wäre es, wenn sich Schulen mehr für das Naturschutzgebiet interessierten.

Als ich ihn nach dem schönsten Moment seiner Arbeit und der Wiederkehr der Natur frage, überlegt er einen Moment: „Das war der erste Wiedehopf, den ich gesehen habe, ein besonders schöner und leider in den meisten Regionen ausgestorbener Vogel. Es war ein echter Glücksmoment für mich.“ Am liebsten würde er einige der Seen sauer und als Lebensraum für Sonnentau und Moose erhalten. Einhundert Jahre, meint er, würde es auf natürlichem Wege dauern, bis die Seen neutral wären. Noch wird jedoch überall versucht, die Gewässer durch Kalkung zu neutralisieren.

„Ich versuche, so viel wie möglich draußen zu sein, im Wald, auf den Wiesen, an den Seen. Aber achtzig Prozent meiner Arbeit sind Akten, Unterlagen, Bürokratie, Nachweise.“