Schlüssel zum Himmel und zur Erde

Die Gärtnermeister

Schloen ist ein malerischer Ort mit einer alten Dorfkirche und einer Wassermühle in der hügeligen Landschaft unweit von Waren. Am Rande des Dorfes liegt die ungewöhnliche Gärtnerei von Angelika Kalix und Michael Hoffmann. Sie ist selbst ein Landschaftsbild, nicht betriebswirtschaftlich, sondern als Teil der umgebenden Natur geplant und gebaut worden. Rund oder oval und sich überschneidend sind die Anlagen für die Pflanzen. Die Wege zwischen ihnen und um sie herum verlaufen in Ellipsen, wie Planetenbahnen, lassen keine Eile zu. Wohn- und Gartenhäuser ebenso wie die Rabatten haben die sechseckige Form der Bienenwaben oder der Korbblüte. Hier kann man zur Ruhe kommen, hier sollen Menschen und Pflanzen zur Ruhe kommen. Das ist die gärtnerische Philosophie, die Angelika Kalix und Michael Hoffmann seit acht Jahren in Schloen verwirklichen und leben.

Sie sind beide Gärtnermeister. Sie kommt aus München, er aus Schleswig-Holstein. Die alte Arbeit in den Gärtnereien hatte ihnen nicht mehr gefallen und entsprach nicht ihren eigenen Lebensansprüchen: „Da war eine Grenze, über die wir nicht gekommen sind. Das Wachstum der meisten Pflanzen war nicht pflanzengerecht. Sie wurden künstlich angetrieben mit mineralischen und tierischen Düngern aus Schlachthöfen. Aber die meisten privaten Gärtnereien sind auch verschuldet und können gar nicht anders.“ Angelika Kalix und Michael Hoffmann wollten anders. Sie nahmen sich ein Jahr Auszeit und dachten darüber nach, wie eine andere Art Gärtnerei mit Zukunft möglich sein könnte: „Wir brauchten Freiraum, den uns andere nicht geben konnten, wollten ausprobieren können, was wir für richtig halten.“ Bundesweit suchten sie nach einem Ort für eine ganz andere Gärtnerei. In Schloen wurden sie fündig.

Die Zeit, die sie den Pflanzen gönnen, nahmen sie auch für sich und den Bau der Gärtnerei in Anspruch. Zunächst wollten sie auch noch keine Besucher: „Der Keim sollte erst wachsen, bis er der rauen Umwelt standhalten kann.“ Das ist er inzwischen, und im Sommerhalbjahr blüht er. Die Stauden und Sträuße werden vom Hof und auf den Märkten in Waren und Neubrandenburg verkauft. Die Gärtner können davon leben. Wenn Angelika Kalix die Blumen bindet, versucht sie sich in deren Formen und Farben einzufühlen: „Ich denke nicht daran, was der Strauß kosten soll, sondern was die Blumen selbst verlangen. Danach bekommt das Gebinde von mir auch einen Namen. Die Menschen, die sie kaufen, sollen nicht etwas Materielles, sondern etwas für ihre Augen und ihren Geist bekommen.“ Offensichtlich spüren das auch viele Käufer, Frauen insbesondere, sagt Michael Hoffmann. Manchmal sind 50 Sträuße schon nach anderthalb Stunden ausverkauft. Primula veris, Himmelsschlüsselchen, heißt die Gärtnerei. Sie soll tatsächlich ein Schlüssel zum Himmel und einer zur Erde sein, wie sie ist, nicht wie man sie sich zurechtdüngen kann.

Angelika Kalix & Michael Hoffmann
Primula veris – die Gärtnerei für Stauden und Schnittblumen
Alter Postweg 11 a
17192 Schloen
Tel.: 039934 87607
info@primula-veris.de
www.primula-veris.de