Schottland zwischen Broock und Alt Tellin

Der Dudelsackbauer

Die Straße nach Siedenbüssow führt zunächst an der idyllisch fließenden Tollense entlang, dann am verfallenden Schloss von Broock und der Windmühle in Alt Tellin vorbei. In einem alten Fachwerkhaus lebt und arbeitet Klaus Stecker. Es ist eines der ungewöhnlichsten und überraschendsten Handwerke, die man sich in Mecklenburg-Vorpommern vorstellen kann, dem er sich verschrieben hat: Klaus Stecker ist zwar auch Drechsler und fertigt wunderbar schlichte Schüsseln aus Pappel- und anderem Holz, vor allem aber ist er Dudelsackhersteller. „Schalmeien“, sagt er, hießen sie ursprünglich. Die Stadtpfeifer spielten sie in der Zeit des Barocks. Was heute als Schalmeien bezeichnet werden, seien tatsächlich Martinshörner.

Den Beruf hat er nicht gelernt, wie denn auch, wenn man nicht in Schottland oder Irland zu Hause ist. „Ich habe ihn mir angenommen“, so Klaus Stecker. Es war in den 70er Jahren, die Folkloremusik wurde gerade wiederentdeckt, als er in Berlin jemanden kennenlernte, der alte Instrumente nachbaute, aber mit der Technik des Dudelsacks nicht zurechtkam. Stecker war Elektroniker, aber er wollte Anderes machen, „aussteigen“. In seiner Berliner Küche begann er zu drechseln, zu bauen, zu probieren. Ärger hatte er genug. Er galt als arbeitslos, asozial, sagten Nachbarn im Haus, aber er setzte sich durch. 1981 hatte er den ersten Dudelsack fertig. Er hängt noch immer an der Wand in seiner Werkstatt. Es war Versuch und Irrtum. Niemand konnte es ihm beibringen. Er fertigte die Schalmei, das Rohrblatt, die ständig mitklingenden Bordome, den ledernen Luftsack: „Damals gab es ja nichts, also musste ich alles selbst entwickeln.“

Das kommt ihm heute zugute. Rund drei Monate dauert es bis zur Fertigstellung. Dem Holz muss man Zeit lassen, gerade bei Musikinstrumenten. Klaus Stecker verwendet acht Jahre lang gelagerte Obsthölzer. Sie sind hart, haben keine Poren, sind dicht. Im Dorf weiß man längst, dass er immer danach sucht und bietet ihm das Holz alter Bäume an. Während er zunächst Dudelsäcke für Folkloremusiker und –gruppen herstellte, sind es inzwischen anders gestimmte Dudelsäcke für Mittelaltermärkte, für die sich der Begriff des „Marktsacks“ eingebürgert hat. Traditionalisten belächeln ihn, aber der heutige Markt ist es, der tatsächlich nach dem Marktsack verlangt: lauter, auf Straßen, in Umzügen oder auf Mittelalterfesten durchdringend. Seine Kunden kommen aus ganz Deutschland, auch aus Dänemark. Die meisten finden den Weg nach Siedenbüssow. Musikinstrumente sind etwas sehr Persönliches.

Klaus Stecker
Drechsler & Holzinstrumentenbauer
Siedenbüssow 39
17129 Alt-Tellin
Tel.: 039991 36742
www.klaus-stecker.de