Spur der Steine und die Spur des Schleifers

EDELSTEINSCHLEIFER

„Die Natur ist der größte Künstler“, schwärmt Harald Albrecht, wenn er beispielsweise von den Kristallen der Berylle berichtet, zu denen auch der Smaragd und Aquamarin gehören, und die es in den verschiedensten Farben gibt. Der längste gefundene Kristall misst achtzehn Meter. Seit dem Mittelalter wurden Kristalle geschliffen, als Schmuck, aber auch für optische Hilfsmittel verwendet, so dass unser Wort „Brille“ nach dem Brockhaus von diesem Kristall abstammt. Der Edelsteinschleifer Harald Albrecht kennt nicht nur sein Handwerk, sondern auch seine Geschichte, Ästhetik, seine meist Millionen Jahre alte geophysikalischen Grundlagen und seine unverzichtbare Rolle in der modernsten Technik und Forschung sehr genau. Wer die Chance hat, ihn erzählen zu hören, kann schnell eine ganze und spannende Vorlesung erleben. So gern er es tut, und es ist ein Genuss, ihm zuzuhören, oft hat er nicht die Zeit dafür. Das Edelsteinschleifen verlangt nicht nur Erfahrung und sehr großes handwerkliches Können, sondern auch viel Geduld, eine Genauigkeit, die Hundertstelmillimeter erfordert, und enorme Konzentration. Der kleinste Edelstein, den er geschliffen hatte, ein Saphir, war 1,2 mal 0,8 Millimeter groß und erhielt von ihm 25 Flächen. Natürlich benötigt er sehr harte Schleifscheiben an den Maschinen, doch alles andere geht nur mit der ruhigen, geübten Hand und dem Auge. Obwohl er Rechtshänder ist, wird mit links geschliffen.

Harald Albrecht erlernte seinen Beruf in einem Teilbetrieb der Edelsteinschleiferei Zwickau in Taucha bei Leipzig und arbeitete dort bis 1989. Sein eigener Wunsch, unabhängig zu werden, blieb jedoch groß, zumal auch sein Vater und Großvater selbstständig gewesen waren. Die Goldschmiedeinnung im damaligen Bezirk Schwerin, die großen Bedarf an Edelsteinschleifern hatte, unterstützte ihn. So kam er im Sommer des Jahres nach Schwerin. Dass die genehmigten Gewerberäume sich dann doch als sehr schwierig erwiesen und nicht zustande kamen, sieht er heute als Glücksfall. Doch mit der Wende wurde seine Selbstständigkeit noch zusätzlich verzögert. Er tingelte von einer Messe und Ausstellung zur anderen, um sich einen Kundenstamm aufbauen zu können. In seinem eigenen Wohnhaus in Brüsewitz bei Schwerin, wo er sich längst auch in der Gemeinde oder in Schwerin geschichtlich und kulturell engagiert, hat er inzwischen seine Werkstatt, und als die alte Firma in Taucha insolvent wurde, erwarb er auch die alten Tische und Schleifgeräte. Ergänzt werden sie inzwischen mit Maschinen aus den USA für das Vorschleifen und Maßbringen. Das endgültige Feinschleifen findet aber noch immer auf den alten Maschinen statt.

Seine Kunden sind vor allem Gold- oder Silberschmiede von Sylt, aus Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, gelegentlich auch ein privater Kunde, der eine Erinnerung oder Erbstück schleifen lassen möchte. Harald Albrecht fürchtet, dass der Beruf des Edelsteinschleifers in Deutschland aussterben könnte. In Indien, Pakistan, Südamerika lässt man mit niedrigsten Löhne und nicht selten auch durch Kinder schleifen. „Es ist traurig.“, sagt er. „Man muss beides beachten – das so schöne Handwerk und die Frage, wie bringe ich die geschliffenen Steine auf den Markt.“. Aber dann sieht man ihm auch wieder die Freude an der eigenen Arbeit an, wenn er einem Steine bei unterschiedlichem Licht und dann mit verschiedenen Farben zeigt: „Edelsteine sollte man am besten bei Abendlicht betrachten. Das ist das neutralste Licht.“

 

Edelsteinschleiferei
Edelsteine & Mineralien
Harald Albrecht
Rosenberg 19
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