18. August: Hiddensee

Dieser Tag gehörte Hiddensee und dem Wahlkampf von Wolfgang Weiß. Wir plakatierten und verteilten Zeitungen und Wolfgangs Karten in jeden Haushalt (Matthias und ich auf den Rückweg dann auch noch in Schaprode). Ich bin immer besonders gern auf dieser Insel. Die Kommerzialisierung und der zunehmende Kitsch gerade im Sommer beginnt mich aber zu stören. Als ich in Vittel verteilte, liefe ich fast zwanzig Minuten neben einem Kremser, auf dem Urlauber saßen, und musste mir anhören, was der Kutscher über das Dorf und die Insel erzählte. Eigentlich war es nicht auszuhalten, aber die Kutsche war einfach nicht schneller als ich, obwohl ich an jeden Briefkasten musste. Es gab auch eine andere Situation, bei der ich etwas mutlos wurde: Vor der Kirche in Kloster hängten wir das schwarz gehaltene Plakat von Helmut Holter auf. Darüber mag man sagen, was man will. Aber es steht auch kein Name darauf, und die Pastorin, also eine gewiss nicht ungebildete Frau, fragte: „Wer ist denn das?“ Ob Werbung so funktionieren kann, zumal ich immer wieder zu hören bekomme, wie viele Menschen der Plakatdschungel stört, bezweifle ich.Wirklich glücklich war ich aber, als ich den Bernsteinschleifer Ingolf Engels und seine Frau in Vitte erneut besuchte. Abgesehen davon, dass ich noch Informationen für mein Porträt über ihn benötigte, beeindruckte mich die Fröhlichkeit und Herzlichkeit der beiden erneut. Viel Zeit hatten sie nicht, denn sie mussten auch das Bernsteinschleifen für Besucher und Kinder am Nachmittag vorbereiten, wo sie vierzig bis fünfzig Interessierte erwarten.