22. Juli: Reden und Verstehen

Ab 13 Uhr war ich zum Stadtfest in Bergen. Da war noch nicht viel los, zumal das hochsommerliche Wetter sehr viele Menschen an den Strand oder in die Gärten gelockt hat, aber es war auch die wichtige und sehr gute Tradition der Stadt an Europatagen. Ab 14 Uhr konnte ich einige meiner Flyer verteilen und kam unter anderem mit zwei jungen Kellnerinnen ins Gespräch, die das Bild von der Aktion 2011 hoch über der Ostsee sahen: „Ihnen einen guten Urlaub! Der Kellnerin einen guten Lohn!“ Obwohl die Hotels und Restaurants auf Rügen immer größere Schwierigkeiten haben, überhaupt Fachkräfte zu bekommen, hat sich nicht viel geändert. Die eine Kellnerin verlor im Winter ihre Arbeit und wurde für Monate arbeitslos, die andere junge Frau erzählte, dass sie zwar das ganze Jahr ihre Arbeit behielt, aber sehr wenig verdiene. Mal wieder verstehe ich, was soziale Spaltung bedeutet, und wie unverantwortlich Unternehmen die jungen Menschen mit solchen Bedingungen aus Mecklenburg-Vorpommern treiben. Wenn sie jammern, dass es keine Fachkräfte mehr zu bekommen sind, haben sie selbst einen entscheidenden Anteil. Von der Politik in M-V wird aber auch nichts getan. Stattdessen verteilen gegenwärtig im Wahlkampf Minister und Regierungsabgeordnete die steuerlichen und Landes-Fördergelder, als wäre es ihr eigenes Geld. Und die Medien machen natürlich mit. In den letzten 30 Tagen vor der Wahl dürfen Abgeordnete gesetzlich praktisch nicht in öffentliche Einrichtungen, damit sie dort keinen Wahlkampf machen können. Es wäre höchste Zeit, solche Vergabe von Fördermitteln durch die Regierung ein Vierteljahr vor Wahlen erst recht gesetzlich zu verbieten.