André Brie

Lieber Hans-Dieter,

Dich kannte ich natürlich schon durch Landolf Scherzers Buch „Der Erste“, bevor ich Dich treffen konnte. Scherzers Buch war eines der wenigen wirklichen Perestroika-Bücher in der späten DDR, und Du selbst stand als 1. Kreissekretär der SED tatsächlich für eine echte Perestoika und für Glasnost. So hatte das Buch mir und vielen anderen Mut gemacht. Doch dann brachen die DDR und die „führende“ Partei schnell zusammen. Du nicht! Ich weiß noch, als Du mit mir durch die Kreisstadt gegangen bist, wechselten zwei Deiner ehemaligen SED-Sekretäre grußlos die Straße, die politische Seite hatten sie schon vorher gewechselt. In Thüringen hatte es die PDS besonders schwer. Weißt Du, lieber Hans-Dieter, viele meinen, dass die PDS ohne Gregor Gysi nicht bestanden hätte, sogar wieder Zustimmung erhielt. Das stimmt, und ich selbst habe es oft betont. Er war für diese Partei ein Glücksfall. Doch eines muss ergänzt werden: Ohne Menschen wie Dich wäre es ebenfalls nichts geworden. Und das war die zweite Seite des Glücks dieser Partei. Für mich selbst war es auch ein persönliches Glück, Dich nicht nur durch das Buch, sondern mehr noch, Dich persönlich kennengelernt und mit Dir zusammenarbeiten zu können. Von Herzen, lieber Hans-Dieter sage ich Dir Danke, gratuliere Dir mit ganzem Herzen, Kopf und – entschuldige – Seele. Du bist genau dort bei mir für immer. Ich wünsche Dir Kraft, Mut, so viel Gesundheit wie möglich,

Dein Mitkämpfer und Mitdenker André